Tag-Archiv für 'u-bahnhof'

Drogen – Kreuzberger Druckraum schließt

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Kreuzberg-Kottbusser-Tor-Drogen-Druckraum;art270,2819919

Berlin – Ruhig ist es um die Drogenszene am Kottbusser Tor geworden. Nachdem Polizisten nahezu täglich das Milieu rund um den U-Bahnhof zu kontrollieren begannen, hatten sich viele Junkies auf andere U-8-Bahnhöfe verteilt. Und der Rest der Heroinszene nutzte den Druckraum in der Dresdener Straße am „Kotti“. Doch nun wird befürchtet, dass sich die Szene zerstreut, denn heute öffnet der Druckraum letztmals.

Dem Aids- und Suchthilfeträger Fixpunkt, der den Druckraum seit fünf Jahren betreibt, ist schon vor Monaten gekündigt worden. Eine Duldungsfrist für die Räume in der Dresdener Straße läuft diese Woche ab. Das Datum ist seit langem bekannt, die Suche nach einem neuen Standort läuft seit Monaten. Doch ein neuer Raum, in dem Süchtige unter medizinischer Kontrolle harte Drogen und Ersatzstoffe konsumieren können, ist nicht in Sicht. „Wir wollen aber noch vor der Sommerpause neue Räume finden“, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke). Bis eine geeignete Unterkunft gefunden ist, soll vormittags ein Druckmobil auf den Straßen am Kotti auf Junkies warten. Nachmittags soll das Fahrzeug woanders eingesetzt werden. Rund 8000 Heroinabhängige gibt es in Berlin.

Kenner befürchten, dass sich die Drogenszene auf der ganzen U-Bahnlinie 8 verteilen könnte. Sozialarbeiter beklagen, dass es ohnehin schwieriger geworden sei, an viele Junkies heranzukommen, seit die Polizei am Kottbusser Tor in die Offensive gegangen ist. Schon jetzt halten sich viele Süchtige am Hermannplatz, Moritzplatz und Rosenthaler Platz in Mitte auf.Hannes Heine

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Brennpunkt Kotti verteilt sich

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/149986.brennpunkt-kotti-verteilt-sich.html

Kreuzberger Drogenszene zieht in die Nebenstraßen /
Fixpunkt e.V. sucht neues Quartier

Von Christoph Villinger

Im und rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg ist seit etwa drei Monaten ein andauerndes massives Auftreten von Sicherheitskräften und Polizei zu beobachten. Dazu passte auch vor einigen Tagen ein harsches Vorgehen von BVG-Mitarbeitern: So eskalierte zu Wochenbeginn erneut die Situation am Kottbusser Tor, als es nach Augenzeugenberichten zu einer Prügelei zwischen zwei BVG-Sicherheitsbeamten und einer Gruppe von Roma kam.

Die Roma hätten zuvor am »Kotti« Autofensterscheiben geputzt und sich, nachdem ein sich belästigt fühlender Autofahrer die Polizei gerufen hatte, an eine Bushaltestelle zurückgezogen, hieß es. Nach der Auseinandersetzung zeigte man sich gegenseitig bei der Polizei wegen Körperverletzung an. »Als später die Polizei Platzverweise aussprach, zogen sich die Roma zurück«, berichtet Barbara Seid, die migrationspolitische Sprecherin der LINKEN in der BVV von Friedrichshain-Kreuzberg. Gegenüber den »voreiligen Schuldzuweisungen der Polizei« in Richtung der Roma betont Seid, dass solche Fragen ein unabhängiges Gericht zu klären habe.

Schon länger ist das Kreuzberger Kotti ein Brennpunkt. Wie wiederholt berichtet, hatte die dortige Drogenszene durch die Schließung eines Parkhauses im Sommer ihren Rückzugsort verloren und war dann in nicht zu übersehender Anzahl vor allem an den Eingängen zum U-Bahnhof präsent.

Dies führte zu massiven Anwohnerprotesten, insbesondere getragen von türkischstämmigen Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machten. Nachdem so der politische Druck entstanden war, schritt die Polizei ein. Allein »im März 2009 sprach die Polizei am Kottbusser Tor 418 Platzverweise nach dem Berliner Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) aus, die sich ausschließlich gegen die ›Betäubungsmittel-Szene‹ richteten«, berichtete der Berliner Polizeipräsident auf eine Anfrage von Barbara Seid. Im April seien es noch 219 Platzverweise gewesen, wobei sich hier schon 10 Platzverweise gegen die »aggressive Scheibenputzer-Szene« richteten.

Hinter vorgehaltener Hand betonen allerdings Polizeibeamte, dass ihnen zur Bekämpfung des Drogenhandels immer noch ein zentraler und offen zu observierender Treffpunkt lieber sei, als dass sich die Szene in die Nebenstraßen und in die U-Bahnlinien verteilt. Genau diese Folge trat nun ein, wie Astrid Leicht, Leiterin von Fixpunkt e.V., berichtet, die mehrere Drogenhilfen rund ums Kottbusser Tor betreibt. »Insbesondere in Richtung Süden zu den U-Bahnhöfen Herrmannplatz und Leinestraße wurden die Drogen-Nutzer/innen verdrängt.«

Zeitgleich ist Astrid Leicht mit der endgültigen Kündigung ihrer bisherigen Räume in der Nähe des Kottbusser Tors zum 12. Juni, in denen sich Drogenabhängige zumindest für vier Stunden am Tag in hygienischen Verhältnissen »ihren Schuss setzen« konnten, konfrontiert. Verzweifelt suchen das Bezirksamt und der zuständige Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler (LINKE) seit Monaten nach neuen Räumlichkeiten. »Ein Objekt im Umkreis von einem Kilometer um das Kotti wird zur Zeit geprüft«, sagt Leicht, aber dies werde frühestens im ersten Quartal 2010 eröffnen können. »Bis dahin können wir nur eine Zwischenlösung anbieten, indem die Fixpunkt-Mobile vom Stuttgarter Platz und Bahnhof Zoo am Vormittag nach Kreuzberg kommen.«

Da sich die Lage rund ums Kottbusser Tor nun beruhigt habe, setzt Leicht darauf, dass »Lösungsansätze weiter verfolgt werden«. So gibt es laut Leicht demnächst auch ein Treffen auf bezirklicher Ebene, um die Situation der vor allem vor einem Kaisers Supermarkt sich aufhaltenden »Alkoholkonsumenten sozialverträglicher zu gestalten«.

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