Eine warmes Stübchen zum entspannten Fixen

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/156730.eine-warmes-stuebchen-zum-entspannten-fixen.html

von Christoph Villinger

Nach monatelangen Verhandlungen soll es in Kreuzberg endlich wieder einen Drogenkonsumraum geben

Nun ist die Katze aus dem Sack. Gemeinsam präsentierten Knut Mildner-Spindler (LINKE), Gesundheitsstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, und der Grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz am Mittwochabend die lange geheimgehaltenen Pläne für einen neuen Drogenkonsumraum in der Nähe des Kottbusser Tors. Nach aufreibender Suche wurde mit dem alten Fachraum-Gebäude der ehemaligen Gerhardt-Hauptmann-Schule in der Reichenberger Straße 131 doch noch ein Objekt in »fußläufiger Entfernung« zu dem Treffpunkt vieler Drogenkonsumenten gefunden.

Die konkreten Pläne erläuterte Astrid Leicht, Leiterin des Hilfsvereins für Drogenabhängige Fixpunkt e.V., vor rund 50 AnwohnerInnen. In einem Drogenkonsumraum »können Drogenabhängige unter hygienischen Bedingungen und medizinischer Aufsicht« in Ruhe »ihren Schuss« setzen. Auf diese Art kann auch verhindert werden, dass benutzte Spritzen einfach ins Gebüsch geworfen und dort von Kindern gefunden werden. Geplant sind vorerst Öffnungszeiten an fünf Tagen in der Woche für jeweils rund vier Stunden. Doch um den viel größeren Bedarf befriedigen zu können, fehle das Geld für weiteres Personal. Laut Leicht sollen die Räumlichkeiten in den kommenden Monaten umgebaut und im Frühjahr 2010 eröffnet werden.

Wie wiederholt auch im ND berichtet, hatte die Drogenszene am Kottbusser Tor durch die Schließung eines leerstehenden Parkhauses im Sommer 2008 ihren Rückzugsort verloren und war anschließend in nicht zu übersehender Anzahl vor allem an den Eingängen zum U-Bahnhof präsent. Hinzu kam die Kündigung des durch Fixpunkt e.V. betriebenen Drogenkonsumraums in der Dresdener Straße durch den Hausbesitzer. Dies führte zu Anwohnerprotesten, vor allem getragen von türkeistämmigen Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machten. Gleichzeitig stürzte sich die Boulevard-Presse wiederholt auf das Thema, die Polizei ging ungewöhnlich scharf mit Platzverweisen gegen die Drogenszene vor und die Bezirkspolitiker sahen sich zur Suche nach einer Lösung gezwungen.

»Wir hätten mit einem Karren voll Gold durch den Bezirk ziehen können«, berichtete Mildner-Spindler von den Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, »niemand hätte an uns vermietet«. Allen sei abstrakt klar, dass es solcher Drogenkonsumräume bedürfe, aber »eben nicht vor meiner Haustür«. Die Boulevardpresse hatte insbesondere Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, heftig angegangen, weil in einem von ihm mitbewohnten Haus in der Nähe des Kottbusser Tors die Hausgemeinschaft die Einrichtung des Drogenkonsumraums in einem leerstehenden Laden ablehnte. So zeigten sich Schulz und Mildner-Spindler sichtlich erleichtert, doch noch ein bezirkseigenes Gebäude gefunden zu haben, das nun über eine Stiftung langfristig an den Fixpunkt e.V. für seine Arbeit vermietet werden kann. Bei der anschließenden Diskussion verwahrte sich Gary Menzel, Leiter des für diesen Bereich Kreuzbergs zuständigen Polizeiabschnitts, gegen die einfachen Rufe nach mehr Polizei wegen der Dealer am Kottbusser Tor. Einerseits gingen diese sehr »arbeitsteilig« vor, was trotz »hohem Personal- und Materialaufwand« das »Schließen der Beweiskette schwierig mache«. Und er sprach sich gegen härtere Gesetze aus, »denn diese lösen das menschliche Problem der Drogenabhängigkeit auch nicht«.

Zumal es am Kottbusser Tor mit der sich vor allem vor dem Eingang eines Supermarktes aufhaltenden Trinkerszene noch ein weiteres Problem gibt. Für diese soll nun laut Mildner-Spindler »geprüft werden«, ob nicht auf der Mittelinsel unter der Hochbahn ein kleiner Stadtplatz mit Kiosk und vor allem Toiletten errichtet werden kann. Denn dies ist für viele AnwohnerInnen das drängendste Problem.

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