Kleiner Sieg – Tobias Riegel begrüßt Heroin-Substitution

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/152658.kleiner-sieg.html

von Tobias Riegel

Das Bild der Ausgestoßenen, die sich täglich am Kottbusser Tor versammeln, könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Denn mit dem gestern in Kraft getretenen (Bundes-)Gesetz zur geregelten Abgabe von synthetischem Heroin konnte nach jahrelangem Kampf ein kleiner Sieg der Vernunft über faktenferne Ideologie errungen werden. Berlin mit seinen diversen offenen Drogen-Szenen wird diese Gelegenheit der würdevollen Behandlung Suchtkranker hoffentlich beim Schopfe packen.

Dass das Gesetz am Gedenktag für die verstorbenen Drogenabhängigen in Kraft trat, hat zusätzliche Symbolkraft. Denn vielleicht ist das fortschrittliche und in Praxisversuchen geprüfte Modell mehr als nur symbolische Wende in der seit Jahrzehnten in bizarrem Stillstand verharrenden Drogenpolitik.

Lang ersehnt von Sozialverbänden, Ärzten, progressiven Polizisten, Süchtigen und deren Eltern (ja von praktisch jedem, außer CDU-Mitgliedern), könnte der gestrige Tag im Rückblick schon bald als Wegmarke weg von Kriminalisierung und Verelendung gelten. Denn beides ist schlicht überflüssig. Studien zeigen, dass Menschen jahrzehntelang heroinabhängig sein können, ohne körperlich Schaden zu nehmen, dass Betroffene bei regelmäßiger Versorgung mit reinem Stoff ein normales Leben ohne Krankheit und Kriminalität führen können. Im Vergleich zu an jeder Ecke beworbenen Drogen wie Nikotin und Alkohol sind die Heroin-Opferzahlen zudem geradezu verschwindend.

Berlin sollte also den nun eröffneten progressiven Weg beherzt und konsequent beschreiten.

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1 Antwort auf „Kleiner Sieg – Tobias Riegel begrüßt Heroin-Substitution“


  1. 1 Nico 15. Februar 2011 um 1:14 Uhr

    Hallo, da der Eintrag älter ist, kannst Du/Ihr mir bitte sagen, wie der momentane Stand(Anfang 2011) in Berling ist?
    Wird die Diamorphin Behandlung nun angeboten in Berlin oder nicht?
    Ich bin nämlich vor paar Jahren aus Berlin weg gezogen(RIESEN FEHLER), jetzt sitze hier in Süden, bin am verzweifeln(methadonprogramm) und es ist der Horror , was hier mit Ärzten los ist. Wie in den 70, einfach nur schlimm.
    Danke
    (würe mich auch über eine Mail freuen), ein schönes Blog :-)

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