Rassismus bei Polizei und Medien – Berliner Morgenpost spricht von Mafia

Quelle: http://de.indymedia.org/2009/05/252210.shtml

von metaoperaist 01.06.2009

Im Artikel „Kriminalität – Was eine Polizistin täglich in Kreuzberg erlebt“ in der Online-Ausgabe der Berliner Morgenpost habe ich heute folgendes gelesen:

Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin/article1103573/Was_eine_Polizistin_taeglich_in_Kreuzberg_erlebt.html

„Doch die Polizistin und ihr Kollege erhalten sofort einen neuen Auftrag: Scheibenwischer-Mafia am Kottbusser Tor vertreiben. „In diesem Tempo wird es bis Schichtende 17 Uhr weitergehen“, sagt Janina L. „Willkommen auf Streife im Kiez SO 36.“ “

Repression gegen Opfer - Täter kann flüchten

„Scheibenwischer-Mafia“? So etwas gibt es nicht. Und was soll ich mir darunter überhaupt vorstellen? Hat schon jemals ein Mensch von Bandenkriegen, um die besten Ampeln gehört. Erpressung mit vorgehaltener Waffe: „Entweder ich darf dir für 50 Cent die Scheibe wischen oder…!“ So etwas passiert nie. Letztlich wird von diesem Blatt der Anschein erweckt, dass Scheiben wischen kriminell, verboten und verrucht sei. Unaufmerksame Leser_innen reagieren dementsprechend mit Ressentiments.

Was am Freitag den 29.05.2009 am Kottbusser Tor geschah:

Einige Roma haben die Fenster von haltenden Autos geputzt, trotz aller widriger Umstände: der Trinkwasserbrunnen ist in diesem Jahr nicht wieder in Betrieb genommen worden – dort konnten Menschen nicht nur umsonst ihren Durst löschen, sondern auch bspw. Wasser zum Fenster putzen abzapfen – und deutlich dramatischer: die Phasenschaltung der Verkehrsampeln wurde verändert, die Rotphasen wurden verkürzt. Obwohl es an kaum einer anderen Kreuzung in Berlin häufiger zu Unfällen, auch mit Personenschäden, kommt. D.h. nur damit nicht genug Zeit zum Scheiben putzen, oder auch für Kleinkunst- und Jonglage-Darbietungen bleibt, werden Verletzte billigend in Kauf genommen, Hauptsache das Bild des Kotti wird „cleaner“ zum Wohle der Geschäftsleute, Immobilieninhaber_innen, Security-Firmen und anderer Geldvermehrer_innen. Statt bunter Menschen, Junkies und Graffiti, chice Läden, chice Straßen, überwachte Plätze und Multikulti – bitte – nur in Form von Konsument_innen die sich „etwas“ leisten können.

Doch zurück zu einem Vorfall mit der angeblichen „Scheibenwischer-Mafia“: Eine Frau, die zugegeben Autoscheiben säuberte, wartete auf die nächste Rotphase, als sie ein Fußgänger – ein Mann – mit „Komm mit ich ficke dich für einen Fünfer!“ ansprach. Da der Mann nicht locker lassen wollte, rief sie ihren minderjährigen Bruder zu Hilfe, doch noch bevor dieser einschreiten konnte wurde er von dem „selbsternannten Freier“ ins Gesicht geschlagen. Zeugen haben diesen Vorfall beobachtet und sofort Verstärkung angefordert. Die Zeugen saßen in einem Streifenwagen, sahen was sich zutrug und machten NICHTS: ließen den Täter einfach fortlaufen. Doch innerhalb der nächsten drei Minuten trafen weitere 5 Streifenwagen am Kotti ein. Die ebenfalls nichts Sinnvolles machten, außer einseitig den Verkehr in der Skalitzer Straße fast lahm zu legen und vor allem die Roma staatliche Repression spüren zu lassen. Ausweiskontrolle! Sie entwendeten die Wasserflaschen der Putzer_innen und zertraten diese vor deren Augen. Die Scheiben-Abzieher wurden ihnen abgenommen. Und der Täter… für den interessierte sich natürlich niemand der Herbeigeilten.“ Einzige geleistete „Ermittlungsarbeit“ war die Aussage „Wenn Sie wollen, können Sie Anzeige erstatten.“

Ein Unterstützer der Roma übersetzte ins Spanische, um Kommunikation zwischen Roma und Polizisten herzustellen.

Ich selber war vor Ort. Mit der Bürgerinitiative für ein menschenfreundliches Kottbusser Tor, hatten wir, beim ehemaligen Brunnen, eine Kundgebung angemeldet. Und einen Wasserkanister mit 25 Liter Trinkwasser auf dem Burnnen platziert: für alle und umsonst! Und dieses Angebot wurde auch von den Roma genutzt, bis zu diesem Zwischenfall.

M.E. haben „nette“ Polizist_innen, wie sie mit dem Artikel der Berliner Morgenpost beschrieben werden, gegen das Legalitätsprinzip verstoßen: „Sie haben zugesehen anstatt einzugreifen – wohlgemerkt gegen einen einzigen Täter! Stattdessen wurden 5 weitereStreifenwagen angefordert und im Nachgang die Roma mit Kontrollen und Enteignung malträtiert. Jedenfalls passt der beschriebene Einsatzbefehl „Scheibenwischer-Mafia vertreiben am Kotti“ hervorragend ins menschenverachtende Bild des Axel-Springer-Verlags.

Mich bedrückt dieser Vorfall ganz besonders, denn bereits Anfang der Woche wurde ich Zeuge der Verletzung des Legalitätsprinzips: Ein Mensch mit einem „Landser„-T-Shirt durfte unbehelligt, trotz lautstarken Interventionsversuchen, an rund 20 Polizeibeamten vorbei und seines Weges gehen. Eine Anzeige wurde nicht aufgenommen. Statt dessen folgte seitens der Beamten ein Kriminalisierungsversuch bei einem protestierenden Afrikaner. Das trug sich in Merseburg zu, einem anderer Schauplatz, desselben kleingeistigen Axel-Springer-Verlag-Kindes.

Wer in Deutschland die „falsche“ Hautfarbe hat, hat weniger Rechte, weniger Recht und weniger Freiheit. Apartheid und Rassistische Kontrollen sind an der Tagesordnung. Und an der Stelle können sich viele Menschen an die eigene Nase fassen: Alltags-Rassismus fängt bei den unbesetzten Sitzplätzen neben Schwarzen in überfüllten U-Bahnen und Bussen an und das ist Alltag in der Wannabe-Multi-Kulti-Metropole Berlins, die an diesem Wochenende den Karneval der Kulturen feiert. Das ist obszön.

Ich will, dass der Trinkwasserbrunnen Kottbusser Ecke Reichenberger Strasse wieder benutzbar wird, dass keine weiteren Polizei-Einsätze gegen die „Scheiben-Wischer-Mafia“ oder die Drogenkonsument_innen angeordnet werden und dass das Kottbusser Tor menschenfreundlicher wird und erhalten bleibt. Ein kultureller Schutzraum für Menschen die ihr Leben gestalten wollen, statt neoliberaler „Kreativ-Wirtschaft“ zur Gewinnmaximierung durch Verteibung von Menschen. Von mir aus sollen sogar Polizist_innen eine Gehaltserhöhung bekommen, denn auch unter ihnen gibt es entsprechenden Verdruss. Die kapitalistische Gesellschaft kommt nicht ohne Kontrolle aus. Ihre Basis sind entmündigte Bürger_innen und die mediale Bewußtseinskontrolle der Menschen. Aber es gibt Alternativen, es gibt selbstbestimmtes Leben und das muss es auch für „noch“ Polizist_innen geben.

Ich bin für eine Welt der anderen Möglichkeiten und du?

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3 Antworten auf „Rassismus bei Polizei und Medien – Berliner Morgenpost spricht von Mafia“


  1. 1 Administrator 05. Juni 2009 um 14:07 Uhr

    Im Tagesspiegel ist ein übler Hetzartikel hierzu erschienen, der den „Mafia-Mythos“ aufgreift:

    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Scheibenputzer;art270,2814080

    Scheibenputzer
    Angst vor der roten Ampel

    An immer mehr Kreuzungen stehen rumänische Scheibenputzer. Wer ablehnt, wird belästigt und bedroht.

    Von Sandra Dassler

    Berlin – Der kurze Regenschauer verlängert die Mittagspause für den Jungen und die drei Mädchen in der Bushaltestelle am Kottbusser Tor. Sie sind 13, vielleicht 14 Jahre alt, das Mittagessen besteht aus frischen, weichen Sesambrezeln und Milchkaffee. Zwischendurch lassen sie immer mal wieder eine Zigarette kreisen.

    Als ihr Chef, ein etwa 20-jähriger junger Mann die Bushaltestelle verlässt, entspannen sie sichtlich: Necken sich, kichern albern, antworten unbefangen – in Englisch oder Deutsch – auf die Fragen: Acht bis zehn Stunden stehen sie täglich auf der Skalitzer Straße, um Fensterscheiben der im Stau stehenden Autos zu putzen. Manchmal nehmen sie am Tag vierzig, manchmal vierhundert Euro ein. Ja, natürlich sind sie aus Rumänien.

    Die Rückkehr des Chefs ändert alles. Die Kindergesichter werden hart: „Wollen Sie mir Geld geben“, fragt eines der Mädchen mit langem geblümten Rock. Es klingt plötzlich böse, aggressiv.

    Eine Erfahrung, die viele Autofahrer machen – wenn sie die Dienste der Scheibenputzer nicht in Anspruch nehmen wollen. „Ich habe von Anfang an klar signalisiert, dass ich mein Fenster nicht putzen lassen will“, sagt eine Autofahrerin, die öfter schon am Kottbusser Tor belästigt wurde: „Ein Mann hat trotzdem gewischt und sehr fordernd die Hand aufgehalten. Ich hatte Angst und habe das Fenster nicht geöffnet. Da hat er einen Kaugummi unter meinen Scheibenwischer geklebt.“

    Gerade am „Kotti“, wo früher Punks die Scheiben putzten oder Laien-Artisten mit ein paar Kunststückchen die Autofahrer im Stau unterhielten, hat sich alles geändert. „Seit zwei, drei Jahren sind die Rumänen hier“, sagt ein Anwohner: „Und sie werden immer aggressiver. Wir beobachten oft, dass sie Wischwasser ins Wageninnere kippen oder gegen Autos treten, wenn die Fahrer nicht zahlen wollen.“ Die Polizei konnte gestern nicht bestätigen, dass sich die Aggressivität oder die Zahl der im Zusammenhang mit dem Scheibenwischen bekannt gewordenen Vorkommnisse erhöht hat. „Im vergangenen Jahr hatten wir am Kottbusser Tor drei entsprechende Anzeigen – eine wegen Nötigung und zwei wegen Sachbeschädigung“, sagte ein Sprecher: „Bis April dieses Jahres lag noch keine vor.“

    Dies könnte sich allerdings in den vergangenen Tagen geändert haben. Am „Kotti“ waren, wie berichtet, am Montag zwei BVG-Mitarbeiter von den Fensterputzern geschlagen und leicht verletzt worden. „Das war das erste Mal“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz: „Es hing damit zusammen, dass wir Busse im Schienenersatzverkehr eingesetzt hatten und die Putzer nicht die Straße räumten.“

    Die Autofahrer sind auch weiterhin das Objekt der Begierde für die Putzkolonnen, bei denen es sich laut Polizei „ganz überwiegend um Rumänen“ handelt. Ob darunter auch Angehörige der Roma-Familien sind, die derzeit im Spandauer Asylbewerberheim untergebracht sind, ist nicht bekannt.

    Am meisten von den lästigen Scheibenwischern betroffen sind laut Polizei Mitte und Kreuzberg. So kann, wer Pech hat, allein entlang der Skalitzer Straße sowohl an der Wrangelstraße, am Halleschen Tor oder am Kotti belästigt werden. Beliebt bei den Scheibenwischern sind auch die Kreuzung Oberbaumbrücke, die Frankfurter Allee, der Tempelhofer Damm und der Große Stern. Auch in Spandau sind schon Putztrupps aufgetaucht.

    Die Polizei rät Autofahrern, die Fenster geschlossen zu halten und bei aggressivem Verhalten Anzeige zu erstatten. Dass es sich bei den Putztrupps um mafiöse Strukturen handelt, wollte ein Sprecher gestern nicht bestätigen. Anwohner am „Kotti“ sehen das anders: „Natürlich ist das die rumänische Mafia“, sagen sie: „Die gleichen Männer, die Frauen und kleine Kinder zum Betteln schicken, treiben hier die Jugendlichen zum Fensterputzen an.“

    (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.06.2009)

  2. 2 Achmed 17. Mai 2010 um 18:53 Uhr

    Zitat: Wer in Deutschland die „falsche“ Hautfarbe hat, hat weniger Rechte, weniger Recht und weniger Freiheit. Zitat Ende

    Ja, derjenige der hier eine weiße Hautfarbe hat. Er darf arbeiten, wenn er Glück hat und solch Gesocks wie Zigeuner und linke Tagediebe mit seinen Steuergeldern unterstützen.
    Es wird Zeit wieder einmal aufzuräumen im Lande. Doch dieses Mal etwas ordentlicher!

  3. 3 Samy 18. Mai 2011 um 2:31 Uhr

    Hallo ,

    Ich fand eure beitrage sehr interesant und Aussagekräftig .
    Doch leider muss ich sagen das du dir da ein Fehler unterlaufen is . Ich selber fahr einen 20 Jahre alte Ford , total verrostet . Ich bin in Frankfurt an einer Kreuzung eben den Scheiben Putzern ( nenne es nicht Mafia weil ich da nicht weis ) begegnet . Ein etwa 18 jähriger kam sofort als ich stand zu mir ans Auto und obwohl ich ihm 10 mal sagte er solle es lassen fing er an meine Scheibe nicht zu putzen sondern eher zu verschmieren . Danach kam er zu mir und meinte ich solle ihm nen Euro geben als ich
    mich weigerte standen auf einmal 3 da und fingen echt an mich zu bedrängen und zum guten Schluss spucken sie aufs Auto und Tratten mir ne fette delle in die Tür . Das Auto is mir bums . Aber du redest hier von Menschlichkeit und ich denke die basiert auf Gegenseitigkeit . Und wenn einer denn anderen nicht respektiert muss man eben Lösungen dafür finden . Zu dem Thema Rassismus . Also entwesen bin ich blind und taub oder ich lebe in der falschen gegend . Mein bester Freund is ein schwarzer oder wie er sagt schokodeutscher . Meine Frau is Inderin . Mein Chef ein Türke . Es tut mir leid aber wenn ich
    mit ihnen darüber Rede kann mir keiner sagen das sie Probleme haben wegen ihrer Hautfarbe

    MfG samy

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