Heroin wird reguläres Medikament – Strafrechtliche Repression ist kontraproduktiv

Heroin 3,1g  90% Reinheitsgehalt verifiziert

Presseerklärung des Schildower Kreises: 28.05.09

Der Bundestag wird voraussichtlich am 28. Mai dem Gesetzentwurf einer
parteiübergreifenden Abgeordnetengruppe zustimmen: die „diamorphingestützte
Substitutionsbehandlung“, sprich: Heroin als Medikament für
Heroinabhängige, wird ins Regelsystem der gesundheitlichen Versorgung
überführt. Dies geschieht dann allerdings unter engen, im
Betäubungsmittelgesetz geregelten Erlaubnisvoraussetzungen, was eine
sinnvolle medizinische Nutzung von Heroin in einem breiteren Rahmen
weiterhin blockieren wird.

Grundlage ist der erfolgreiche Abschluss des „Modellversuchs zur
heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger“. Schwerstkranke
Opiatabhängige, die bislang wegen der durch die Illegalität der Droge
bedingten, extrem destruktiven Schwarzmarktbedingungen verwahrlosten oder
starben, können jetzt sachgerecht therapiert und resozialisiert werden.
Erheblich reduzieren sich dadurch auch die sozialen Belastungen durch
Drogen- und Beschaffungskriminalität. Noch muss allerdings die Aufnahme der
Behandlung ins Budget der gesetzlichen Krankenversicherung geregelt werden.
Finanziert werden müssen auch die begleitende psychosoziale Betreuung sowie
Eingliederungshilfen und Hilfen zur Arbeit.

Die in sieben Großstädten mit über tausend Opiatabhängigen durchgeführte
„Heroinstudie“ (www.heroinstudie.de) bestätigte, was in Großbritannien, der
Schweiz und in Holland schon seit langem humane und konstruktive Praxis
ist: Die Abgabe von Heroin bewirkt eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes, einen starken Rückgang der Kriminalität und soziale
Integration.

Diese Ergebnisse beweisen einmal mehr die Kontraproduktivität der
strafrechtlichen Drogenrepression: nicht der Heroinkonsum, sondern die
Prohibition, die einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt hervorgebracht hat,
schafft erst die schwer wiegenden Probleme, welche zu bekämpfen sie
angetreten ist. Nur verwaltungsrechtliche Regulierungen im Sinne des
Gesundheits-, Jugend- und Verbraucherschutzes können problematischen
Drogenkonsum mindern.

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Der Schildower Kreis ist ein Netzwerk von Experten aus Wissenschaft und
Praxis. Wir wollen auf die schädlichen Folgen der Drogenprohibition
aufmerksam machen und legale Alternativen zur repressiven Drogenpolitik
aufzeigen.

Im Schildower Kreis sind folgende Fachleute vernetzt:
Prof. Dr. habil Gundula Barsch, Prof. Dr. jur., Dipl.-Psych. Lorenz
Böllinger, Prof. Dr. Horst Bossong, Dr. Bernd Dollinger, Prof. Dr. Johannes
Feest, Andreas Heimler, Prof. Dr. Henner Hess, Prof. Dr. Manfred Kappeler,
Michael Kleim, Dr. Axel Klein, Dr. Nicole Krumdiek, Prof. Dr. jur.
Cornelius Nestler, Dr. Bettina Paul, Dr. Helmut Pollähne, Prof. Dr. jur.
Stephan Quensel, Dirk Schäffer, Prof. Dr. Sebastian Scheerer, Prof. Dr.
Henning Schmidt-Semisch, Dr. Wolfgang Schneider, Prof. Dr. Heino Stöver,
Dr. Rainer Ullmann, Dipl. FinW. Georg Wurth

Das Manifest des Schildower Kreises ist hier einzusehen:
http://www.schildower-kreis.de/manifest/

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