Konflikt am Kotti

Quelle: Editorial, Motz, 13.03.2009

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Als würde sich Geschichte mal wieder wiederholen. Mehr als anderthalb Jahrzehnte nachdem das Kottbusser Tor im Berliner Bezirk Kreuzberg zu einem Treffpunkt der Drogenszene geworden ist – ähnlich dem Bahnhof Zoo – macht sich eine „Anwohnerinitiative“ auf, um diesen Zustand zu beenden. Vor fast genau fünf Jahren war es ebenfalls eine „Anwohnerinitiative“ die in Kreuzberg die Ansiedlung eines „Obdachlosenwohnheims“ verhindern wollte. In drei Punkten gleichen sich die beiden Ereignisse. Erstens: Sowohl 2003 als auch heute waren/sind Gastronomen, Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer die Initiatoren. Zweitens: Die Mehrheit der Anwohner teilt(e) weder die Vorbehalte noch die Zeile deren Ziele. Drittens: Die Betroffenen die aus dem Kiez in Kreuzberg verschwinden sollen, stammen in ihrer Mehrheit selbst von dort. Während das Obdachlosenasyl, das vor knapp 5 Jahren lediglich den Standort innerhalb des Bezirks gewechselt hatte, bereits mehr als ein Jahrzehnt existierte, gehört der überweigende Teil der Heroin- und Alkoholszene, der heute das Straßenbild unweit des Kottbusser Tors dominiert, zur Anwohnerschaft.
Die Bezirksverantwortlichen sind nun innerhalb kurzer Zeit erneut damit konfrontiert, dass die vielgerühmte Kreuzberger Mischung in Frage gestellt wird. Wie der Konflikt ausgehen und welche Folgewirkungen er haben wird ist offen. Eines ist aber bereits jetzt deutlich: Das Eis, auf dem sich Menschen in unterschiedlichen sozialen Lagen bewegen, ist dünn. Und wenn es um Drogen geht, messen viele der beteiligten Akteure nach wie vor mit zweierlei Maß. Es wird unterschieden zwischen „guten“ und „schlechten“ Drogen. Während die Begleiterscheinungen und Folgewirkungen von illegalen Drogen in die Nähe krimineller Handlungen gerückt werden, bleibt die omnipräsente und legale Droge Alkohol tabu. Fortsetzung folgt.

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